Weizen wird am häufigsten verwendet, denn er enthält viel Eiweiß, auch Gluten genannt. Weizengebäcke werden beim “Gehen” (Gare) locker und elastisch und eignen sich gut für die Zubereitung mit Hefe. Allerdings werden sie bald altbacken. Ganze Weizenkörner oder Weizenschrote sollte man vor der Verwendung einweichen (über Nacht). Als Vollkornprodukt enthält Weizen die stoffwechselaktivierenden Vitamine B1 und B6.
Gelbweizen sind Weizensorten mit besonders gelbem Mehlkörper. Dieses außergewöhnliche Merkmal führte zu einer Renaissance im Anbau solch wohlklingender Sorten wie „Luteus“ und „Safrania“. Landwirte in Thüringen erzeugen diese innerhalb eines Regionalprojekte für uns. Gelbweizen bietet attraktive natürlichen Schutz und Optik. Beachtliche Mengen sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe, vor allem Carotinoide und Xanthophylle, sind verantwortlich für die orange-gelbe Färbung. Sie wirken als natürliche Antioxidantien, als Pro-Vitamin A gegen freie Radikale und stärken die körpereigenen Immunkräfte. Gelbe Optik zeigt sich besonders beim Backen mit Auszugs-Mehl, auch ohne Verwendung von Ei im Teig. Der Geschmack ist harmonisch, herzhaft und sehr angenehm.
Roggen zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Mineralstoffen, besonders an Eisen aus. Den liefern jedoch nur die Vollkornmehle oder -flocken. Roggenmehl ist dunkler als das von Weizen, was sich auch auf die Farbe der Gebäcke auswirkt. Roggenmehl wird mit Sauerteig oder Backferment versäuert, um die Lockerung des Gebäcks zu erreichen. Häufiger jedoch mischt man Weizenmehl zum Roggenmehl, dann können die Gebäcke mit Hefe gelockert werden. Roggenbrote und -brötchen schmecken sehr herzhaft und halten sich länger frisch als Weizengebäcke. Roggen ist Nährstofflieferant bei bestimmten Diäten.
Dinkel ist eine sehr ursprüngliche Weizenform, die im Mittelalter in ganz Deutschland bekannt war und dann von ertragreicheren Sorten verdrängt wurde.
Seine Körner stehen nur in 2 Reihen am Halm, moderne Weizensorten haben zum Vergleich 6 Kornreihen in der Ähre. Wiederentdeckt wurde Dinkel im Aufwind des Öko-Landbaus, da man hierfür robuste widerstandsfähige Sorten wählt. Die Spelzen des Dinkels sind fest mit dem Korn verwachsen und bieten einen umfassenden natürlichen Schutz vor Umwelteinflüssen. Sie erfordern ein spezielles Schälverfahren. Die großen Vorzüge des Dinkels sind sein Reichtum an Eiweiß und Mineralstoffen, seine gute Bekömmlichkeit, die enorme Vielfalt der Verwendungen in der Vollwertküche und sein charakteristischer, nussartiger Geschmack.
Amaranth wird als das Korn der INKA bezeichnet, denn es stammt aus Südamerika und wurde schon von den Inka verwendet. Gebacken wurde Amaranth zu Fladenbroten. Botanisch ist Amaranth ein Fuchsschwanzgewächs, dessen Samen enorm reich an Mineralstoffen und Eiweiß sind und unser Brot bereichern. Amaranth ist glutenfrei. Der Geschmack wird als angenehm würzig bis nussig beschrieben.
Blick ins Getreidekorn – klein aber oho
Um die Mehltypen auseinander halten zu können, lohnt ein Blick in ein Getreidekorn, aus dem schließlich unser Mehl gemahlen wird.
| Kornbestandteil | Inhalt | Wirkung |
| Frucht- und Samenschalen | Mineralstoffe | aktivieren Stoffwechsel, z.B. Blutbildung, steigern Fitness |
| Ballaststoffe | fördern die Verdauung, entschlacken | |
| komplexe Kohlenhydrate | sättigen lange | |
| Mehlkörper | Stärke | Sättigung |
| Keimling | hochwertige Fette, Eiweiße und Vitamine | stärken das Nervensystem, aktivieren den Kreislauf, verbessern Wachstum von Haaren und Nägeln, fördern Abwehrkräfte |
… zum Mehl
Nur in den Vollkornmehlen, Vollkornschroten oder in den Flocken sind alle Kornbestandteile enthalten. Vollkornprodukte liefern uns alle wichtigen Nähr- und Wirkstoffe und sind Basis einer vollwertigen Ernährung. Ihre dunkle Farbe ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, der volle herzhafte Geschmack und die gesundheitsdienlichen Inhaltstoffe sind dafür bestimmt Entschädigung. Vollkornmehl kann puderig fein gemahlen werden, dann nimmt es Wasser gut auf und lässt sich vielseitig verwenden.
Übrigens – Naschereien wie Plätzchen lassen sich sehr gut aus Vollkornmehl zubereiten und dann darf man ruhig einmal mehr zugreifen.
Die Mehltypen
Typenmehle sind ausgemahlene Mehle oder Auszugsmehle, denen der Keimling und die Schalenanteile ganz oder teilweise entzogen worden. Sie sind damit ärmer an Mineralstoffen, Vitaminen und Ballaststoffen. Je niedriger die Typenzahl ist, um so weniger dieser Wirkstoffe sind im Mehl. Je höher die Typenzahl ist, umso reicher ist das Mehl an Mineralstoffen, Vitaminen und Ballaststoffen, und es sieht etwas dunkler aus. Als Schrot bezeichnet man grob zerkleinertes Getreide, dessen Struktur im Gebäck spürbar bleibt. Am besten werden Schrote gut eingeweicht mitgebacken. Sie geben ein längeres Sättigungsgefühl, da unser Körper lange mit der Verdauung befasst ist. Grobe Mehle sind griffig und feinkörnig, feine Mehle sind puderig. Die Struktur ist unabhängig davon, ob es sich um Typenmehl oder Vollkornmehl handelt.
